Baden-Baden, den 22.07.2021

Liebe Eltern, liebe Patientinnen und Patienten,

es sind 4 Wochen seit meiner ersten Stellungnahme vergangen und die Lage hat sich mittlerweile so verändert, dass eine Aktualisierung notwendig ist. Zunächst folgen unverändert diese Aussagen:

Mittlerweile gibt es viele Erkenntnisse, dass Kinder und Jugendliche – auch mit Herz-Vorerkrankungen – in den allermeisten Fällen kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2 Infektion haben. Aufgrund dieser u.v.a. Erkenntnisse hat die STIKO am 10.06.2021 eine eindeutige Empfehlung zur Impfung für Kinder und Jugendliche gegen das SARS-CoV-2 veröffentlicht (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/Impfempfehlung-Zusfassung.html).

Der Beschluss der STIKO zur Impfung von Kindern und Jugendlichen lautet in der Kurzfassung:

„Die STIKO empfiehlt bei Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen aufgrund eines anzunehmenden erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung eine Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (BioNTech/Pfizer). Der Einsatz von Comirnaty bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 – 17 Jahren ohne Vorerkrankungen wird derzeit nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz möglich.“

Wir haben weiterhin wenig Erkenntnisse darüber, ob Kinder und Jugendliche von einer Impfung mehr profitieren, als sie durch eine mögliche Infektion Schaden erleiden könnten.  Die theoretische Annahme, dass bestimmte Kinder und Jugendliche mit besonderen Vorerkrankungen einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung haben könnten, spricht für eine Impfung dieser besonderen Gruppe, die in dem epidemiologischen Bulletin 23|2021 aufgeführt ist: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/23_21.pdf?__blob=publicationFile.

Hier nun meine veränderte persönliche Empfehlung: Sie orientiert sich weiterhin grundsätzlich an der Empfehlung der STIKO. Angesichts der sinkenden Impfbereitschaft in der Allgemeinbevölkerung und der erneut stark ansteigenden Fallzahl von neu infizierten Menschen möchte ich allerdings alle Jugendlichen im Alter ab 12 Jahren ermutigen, eine Impfung vornehmen zu lassen.

Die einzige Chance, wie wir die Pandemie bewältigen, schwere Krankheitsverläufe und Langzeitschäden verhindern können, ist eine sehr hohe Zahl von Menschen, die geimpft sind. Natürlich sollten vordringlich all die Menschen geimpft werden, die tatsächlich ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben – also zunächst alle Erwachsenen. Doch wenn diese Menschen ihre Chance nicht wahrnehmen wollen, ist der Weg für die Jugendlichen frei!

Zurzeit betreue ich in meiner Praxis genau zwei Patienten, für die aufgrund der schweren Herzinsuffizienz eine Impfung gemäß der STIKO-Empfehlung in Frage käme. Für alle anderen bei mir chronisch betreuten Patientinnen und Patienten ist ihre Herzerkrankung im Zusammenhang mit der hier diskutierten Problematik irrelevant. Das eventuell erhöhte Risiko für eine bakterielle Endokarditis (Herzklappenentzündung durch Bakterien) bedeutet keinesfalls ein erhöhtes Risiko für eine Peri- und/oder Myokarditis (Herzbeutel- und /oder Herzmuskelentzündung), die bei jeglicher Virusinfektion jeden Menschen betreffen kann und die auch – sehr selten – im Zusammenhang mit der Impfung gegen das SARS-CoV-2 mit einem mRNA-Impfstoff beobachtet worden ist – siehe Rote-Hand-Brief BionTech & Moderna 2021-07-19

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. C. Irtel von Brenndorff