Baden-Baden, den 13.12.2021

Liebe Eltern, liebe Patientinnen und Patienten,

seit meiner ersten Stellungnahme vom 23. Juni 2021 bzw. der letzten Aktualisierung vom 29. August haben sich einige Veränderungen ergeben, wodurch eine Neufassung meiner Stellungnahme notwendig wurde.

Es gibt viele Erkenntnisse, dass Kinder und Jugendliche – auch mit Herz-Vorerkrankungen – in den allermeisten Fällen kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2 Infektion haben. Aufgrund dieser u.v.a. Erkenntnisse hat die STIKO am 10.06.2021 eine eindeutige Empfehlung zur Impfung für Kinder und Jugendliche gegen das SARS-CoV-2 veröffentlicht (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/Impfempfehlung-Zusfassung.html).

Mittlerweile wurde von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) auch die Impfung für Kinder im Alter von 5 – 11 Jahren zugelassen. Wie im Sommer hat auch diesmal die STIKO eine eingeschränkte Impf-Empfehlung zunächst für Kinder mit Vorerkrankungen formuliert. Diese erneute Beschränkung der Empfehlung kann ich nicht nachvollziehen!

Die einzige Chance, wie wir die Pandemie bewältigen, schwere Krankheitsverläufe, Langzeitschäden und weitere gravierende gesamtgesellschaftliche Auswirkungen verhindern können, ist eine sehr hohe Zahl von Menschen, die geimpft sind und die mittlerweile nötige Auffrischimpfung bekommen.

Für alle bei mir in der Praxis chronisch betreuten Patientinnen und Patienten ist ihre Herzerkrankung im Zusammenhang mit der hier diskutierten Problematik irrelevant. Im Gegenteil ist bei bestimmten schweren Herzerkrankungen ein erhöhtes Komplikationsrisiko durch die Coronavirus-Infektion zu fürchten. Das eventuell erhöhte Risiko für eine bakterielle Endokarditis (Herzklappenentzündung durch Bakterien) bedeutet keinesfalls ein erhöhtes Risiko für eine Peri- und/oder Myokarditis (Herzbeutel- und /oder Herzmuskelentzündung), die bei jeglicher Virusinfektion jeden Menschen betreffen kann. Sehr selten wurde im Zusammenhang mit der Impfung gegen das SARS-CoV-2 mit einem mRNA-Impfstoff eine entzündliche Mitbeteiligung des Herzens beobachtet. Diese unerwünschte Nebenwirkung heilt in der Regel binnen weniger Tage folgenlos aus. Die Erkrankung des Herzmuskels bzw. der das Herz versorgenden Blutgefäße im Rahmen einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 ist dagegen als schwerwiegende Komplikation sehr ernst zu nehmen.

Zusammenfassend empfehle ich ohne Einschränkungen die Impfung gegen das SARS-CoV-2 für alle, für die ein Impfstoff zugelassen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. C. Irtel von Brenndorff